Ketevan Papava

Women with Purpose
Ketevan Papava

From war-torn beginnings in Georgia to the world’s stages, Ketevan Papava’s career has been shaped by discipline, resilience, and an unwavering sense of purpose. Trained at the renowned Vaganova Academy and now a principal dancer with the Vienna State Ballet, she is known for embodying strength, elegance, and emotional depth on stage.

Today, as a mother of two, Papava brings both life experience and artistic maturity to her performances — including the globally broadcasted ballet interludes for the Vienna Philharmonic New Year’s Concert. We spoke with our latest Woman of Purpose about artistry, movement, and the inner drive that carries her through every role.

Sie sind kürzlich als Primaballerina im Ballett des Neujahrskonzerts 2026 aufgetreten. Was bedeutet dieser Moment für Sie?

Es ist eine ausserordentliche Ehre. Das Konzert erreicht Menschen auf der ganzen Welt. Ich habe schon einige Male daran mitgewirkt, und es fühlt sich wie eine Familie an – ich kenne alle Beteiligten. Teil davon zu sein, ist wirklich ein Geschenk.

Wie würden Sie das Konzert in drei Worten beschreiben?

Magisch. Elegant. Tradition. Und wenn Sie noch ein viertes hinzufügen dürfte: Ein Neuanfang.

Das Neujahrskonzert markierte zugleich das 20-jährige Jubiläum der Zusammenarbeit von John Neumeier und Albert Kriemler. Wie haben Sie diese kreative Partnerschaft erlebt?

Albert und John sind beide aussergewöhnliche Menschen, und sie verstehen einander fast blind. Alberts Entwürfe sind architektonisch – sehr klar und elegant –, während John sich ganz auf Emotion und Erzählen konzentriert. Gemeinsam wird ihre Zusammenarbeit zu einem echten Gesamtkunstwerk.

Apropos Design: In welchen Kostümen fühlen Sie sich auf der Bühne am stärksten? Und was
sollten Kostüme zum Tanz beitragen?


Kraft entsteht durch Komfort. Wenn sich ein Kostüm wie eine zweite Haut anfühlt – wenn nichts ablenkt oder einschränkt –, dann fühlt man sich stark. Bewegungsfreiheit ist alles für mich.

Spielt die Wahl des Stoffes für Sie eine besondere Rolle? Was muss das Material
leisten, um mit Ihnen als Tänzerin zu arbeiten?


Stoff spielt eine sehr grosse Rolle. Ich mag Materialien, die weich, leicht und wirklich mit dem Körper mitgehen. Der Stoff sollte den Tanz unterstützen und ihn nicht bremsen. Bei modernen Kostümen sieht man zudem mehr vom Körper, was einem noch mehr Bewegungsfreiheit gibt.

Und abseits der Bühne: Was tragen Sie, wenn Sie sich am wohlsten fühlen?

Minimalistische Stücke aus hochwertigen Materialien. Ich brauche nicht viel – nur Kleidung, die sich ehrlich und mühelos anfühlt.

Was macht das Wiener Staatsballett in Ihren Augen einzigartig?

Sein internationaler Geist. Wir sind Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Welt, und die Kunst bringt uns zusammen. Wir arbeiten mit aussergewöhnlichen Choreografen, und nun, unter der Leitung von Alessandra Ferri, entwickelt sich die Compagnie ständig weiter. Das ist zutiefst inspirierend.

Haben Sie ein Ritual vor dem Auftritt?

Ich glaube nicht an Rituale, aber ich mag es, einen Moment ganz für mich allein zu haben. Zwei Minuten bevor ich die Bühne betrete, bete ich. Ich bin ein gläubiger Mensch, und dieser Moment hilft mir, geerdet und ganz präsent zu sein.

Spitzenschuhe oder barfuss?

Beides. Spitzenschuhe sind mein Zuhause. Ich wurde klassisch ausgebildet, sie geben mir eine gewisse Haltung und Kraft. Barfuss zu tanzen, bedeutet Freiheit. Als Künstlerin brauche ich beides.

Sie haben eine grosse Bandbreite an Rollen verkörpert. Mit welcher Ballettheldin fühlen Sie sich am meisten verbunden – und warum?

Tatjana aus Eugen Onegin. Sie hat einen starken Charakter und eine grosse emotionale Tiefe. Julia, aus Romeo und Julia, habe ich zwar nie getanzt, aber ich fühle mich ihr sehr nahe. Sie besitzt so viel Licht und Unschuld und liebt mit ganzer Hingabe. Auch mit Cinderella fühle ich mich stark verbunden – nicht wegen des Märchens, sondern weil sie für ihre Zukunft kämpft und die Hoffnung nie verliert.

Wie nähern Sie sich diesen Rollen an?

Bei der Vorbereitung einer Rolle legt man sich eine zweite Haut an und taucht in ein anderes Leben ein. Man gibt etwas aus seinem eigenen Herzen, lernt dabei aber auch sehr viel. Das ist das Schöne an unserem Beruf: Wir leben viele Leben auf der Bühne und erzählen Geschichten durch den Tanz.

Wann wussten Sie zum ersten Mal, dass Sie Ballerina werden wollten?

Ich bin mit Tanz aufgewachsen. Eine meiner Tanten war Primaballerina am Mariinsky-Theater, und ich habe sie schon in sehr jungen Jahren auf der Bühne erlebt. Wie viele kleine Mädchen war ich vom Ballett verzaubert – von der Schönheit, den Kostümen. Erst später habe ich verstanden, wie viel Disziplin und harte Arbeit hinter dieser Eleganz stecken.

Wenn Sie Ihrem jüngeren Ich einen Rat geben könnten – welcher wäre das?

Nicht zu viel nachdenken, sondern einfach machen. Als ich jünger war, habe ich zu viel überlegt, bevor ich einen Schritt gewagt habe. Heute vertraue ich mir selbst mehr und folge meiner inneren Stärke.

Sie sind Mutter von zwei Töchtern. Wie gelingt es Ihnen, Familie und eine so fordernde Karriere miteinander zu verbinden?

Es ist herausfordernd, und die Balance ist nie vollkommen. Früher glaubte man, Mutter zu sein, bedeute das Ende einer Tänzerinnenkarriere. Ich habe das Gegenteil erlebt. Mutter zu werden hat mir als Künstlerin mehr Tiefe verliehen. Es hat mir emotionale Fülle, Verletzlichkeit und Stärke geschenkt. Wenn ich heute tanze, bringe ich mein ganzes Leben – und all seine Liebe – mit auf die Bühne.

Haben Sie ein tägliches Mantra? Was motiviert Sie, jeden Morgen aufzustehen?

Mein tägliches Mantra sind Güte und Präsenz. Ich versuche, weder in der Vergangenheit zu verharren noch mich um die Zukunft zu sorgen, sondern ganz im Moment zu bleiben. Was mich jeden Morgen motiviert, ist die Liebe – die Liebe zu meiner Familie und die Liebe zu meiner Arbeit.

Als Akris Woman of Purpose: was bedeutet es einen Sinn im Leben zu finden für Sie ganz persönlich?

Purpose gibt Richtung – besonders in schwierigen Zeiten. Ich habe meine Ballettausbildung in Georgien während des Krieges begonnen. Später nahm mich meine Tante mit nach St. Petersburg, damit ich weiter tanzen konnte. Ich war sehr jung, weit weg von meinen Eltern, umgeben von einer neuen Sprache und einer fremden Kultur. Das war unglaublich schwer. Aber ich hatte ein klares Ziel: Ich wollte Ballerina werden. Wenn man weiss, wohin man geht, trägt einen das eigene Ziel durch Herausforderungen und macht einen stärker.